• Katharina Köhler

Günther ist wieder LinkedIn Top Voice!


Günther, herzlichen Glückwunsch, dass du zum dritten Mal in Folge zur Top Voice auf LinkedIn gewählt worden bist! Was macht das mit dir?

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich damit nicht gerechnet habe. Ich dachte, nach zwei erfolgreichen Nominierungen ginge nicht mehr viel. Es war also eine große Überraschung! Und ich sehe es als eine große Würdigung von dem, was ich auf LinkedIn mache.


Zum dritten Mal TopVoice. Du scheinst den Zeitgeist gut zu treffen. Was ist dein Vorsprung vor anderen?

Ich frage mich, was sind Themen, die die Menschen berühren. Somit schreibe ich über Themen, die Menschen emotional abholen und werfe nicht theoretische Thesen in den Raum.

Ich denke da gerade an meinen „erfolgreichsten“ Artikel Agilität ist zum Scheitern verurteilt. Dort habe ich aufgegriffen, dass viele Organisationen Agilität eher als Werkzeug benutzen oder pseudo-mäßig reinpressen wollen und es nicht um die Selbstbestimmtheit der Menschen im System geht. Das scheint viele Menschen berührt zu haben.


Bei VORSPRUNGatwork beschäftigen wir uns ja damit, wie unter anderem agile Systeme ganzheitlich umgesetzt und Unternehmen transformiert werden können. Auf deinem LinkedIn Profil nennst du dich selber „New Work Philosoph bei VORSPRUNGatwork“. Inwiefern ist das Ankoppeln an eine Organisation wie diese für dein Wirken auf LinkedIn von Bedeutung?

Ich nehme an, dass viele Menschen, wenn sie an einen Philosophen denken, erst mal an einen Theoretiker denken, der im Kämmerlein sitzt und über irgendwelche Sachen nachdenkt. Ich verstehe mich aber eher als praktischen Philosophen, der sich Gedanken um die Zukunft der Arbeit macht. Teil von VORSPRUNGatwork zu sein gibt mir die Möglichkeit, mit Kopf Herz und Hand zu erleben, wie sich permanente Wandlungsfähigkeit anfühlt. Ich kann dadurch von innen heraus wahrnehmen und spüren, wie es ist Vorspringer zu sein, wie es der Organisation geht und wie es den Kunden von VORSPRUNGatwork geht. Im Unterschied zu einem klassischen Philosophen erlebe ich also die Transformation selber und speise daraus die Themen für meine Artikel.


Du sagst, dass du weniger schreibst, um die Themen theoretisch zu erörtern, sondern praktische Philosophie betreibst. Ich gehe davon aus, dass du auch ein persönliches Ziel mit den Artikeln verfolgst. Wenn du dir dieses Ziel vor Augen führst. Was hat sich in 20 Jahren in der Arbeitswelt verändert, wenn wir deinem Ziel nähergekommen sind?

Die Frage kann ich so nicht beantworten. Ich glaube, dass wir alle noch nicht wissen, wo es in Zukunft hingeht. Auch ich nicht! Ich mache mal eine Analogie auf. Es ist ein bisschen so wie bei der kambrischen Explosion. Wenn wir uns zurück erinnern - vor ca. 550 Millionen Jahren sind die Lebewesen in einer grünen Grütze herumgeschwommen und hatten keine Augen. Dann wurden die Meere durch einen Sauerstoffschock transparent. An diese Transparenz passten sich die Lebewesen an. Sie entwickelten Augen. Durch diese Augen war es auf einmal möglich, ganz anders auf ihre Umwelt zu reagieren. Es bildeten sich neue anatomische Formen heraus, weil sie auf ihr Ziel direkt zuschwimmen konnten. Auf einmal habe ich Sexualpartner sehen können und konnte mich zielgerichtet darauf hinbewegen oder von meinen Feinden weg.

In meiner Wahrnehmung ist es gegenwärtig so, dass wir uns über die Zukunft der Arbeit noch so auseinandersetzten wie die Lebewesen ohne Augen. Sprich, wir nehmen alles mit unseren alten Sinnesorganen wahr. Wir müssen erst lernen, die Transparenz und was sich daraus ergibt wahrzunehmen und die Anatomie mit allem Drum und Dran entwickeln.

Deswegen kann ich kein Bild zeichnen, wie es in 20 Jahren sein wird. Ich bin einfach nur neugierig. Und ich bin vor allem gespannt, diese Transparenz erstmal herzustellen und zu beobachten, was das dann mit uns macht. Denn gegenwärtig beurteile ich alle Argumentationen nur auf der Grundlage der alten Wahrnehmungsorgane, die wir in den Organisationen haben. Ich glaube, dass es deswegen auch so viel Widerstand gibt.


Schöne Analogie! Bleiben wir mal in diesem Bild. Ist der VORSPRUNG at work dann, dass sich die Augen schneller entwickeln? Oder ist es etwas anderes?

Der Vorsprung ist, dass man diese Neugierde hat und auch mit dieser Überraschung umgehen kann. Stell dir vor, du lebst im totalen Dunkeln und dann öffnest du die Augen. Du hast zum ersten Mal Licht und bunte Farben. Und du siehst auf einmal in die Räumlichkeit hinaus. Dann ist der Vorsprung erstmal, dass du es wahrnimmst, darüber berichten kannst und das Ganze nicht negierst oder in den Widerstand gehst. Der zweite Vorsprung ist dann, sich an das Neue heranzutasten oder sich durchaus sprunghaft an die neue Anatomie einer Organisation zu gewöhnen.

Wichtig ist dabei, dass wir uns neugierig mit Haut und Haaren in die neue Transparenz begeben und nicht theoretisch verkopft. Jemand der verkopft rangeht sagt: „Ich hätte gerne einen Fühler vorne und einen Fühler hinten.“ Der weiß ja gar nicht, was Augen sind.


Auf was können sich die Leser deiner Beiträge im nächsten Jahr freuen?

Ich werde im nächsten Jahr verstärkt auf die Suche gehen nach den Menschen und Organisationen, die schon ins Machen gegangen sind. Organisationen, die nicht theoretisch irgendwelche Thesen über die Arbeit postulieren, sondern die gemacht, gelernt und daraus entwickelt haben. Ich werde mich mit ihren Erlebnissen, Erkenntnissen und Ergebnissen auseinandersetzen.

Aus meiner Warte bewirkt das zwei große Sachen: Zum einen werden Menschen in Organisationen ihre Erlebnisse anders bewusst, wenn sie ihre Erlebnisse selber formulieren. Zum anderen können andere daraus lernen und Mut schöpfen. Das sendet die Botschaft „Andere sind auch schon losgelaufen“.

Und ich möchte diese Menschen und Organisationen auch in den Dialog bringen. Ich glaube, die Lerngeschwindigkeit muss zunehmen, wenn wir bewältigen wollen, was kommt. Denn die Herausforderungen sind extrem. Wir haben eine Klimakrise, wir haben eine Energiekrise, wir haben das ganze Thema Digitalisierung, bei dem wir noch gar nicht erfasst haben, was es mit uns macht. Und wir haben eine Organisationskrise in den Unternehmen. Das sind also Herausforderungen, bei denen wir voneinander und miteinander lernen sollten. Diesen Prozess möchte ich in verschiedenen Formaten mit anstoßen. Darauf freue ich mich und hoffe natürlich meinen Leser*innen tun es mir gleich.


Ich bin in jedem Fall gespannt und freu mich drauf! Vielen Dank für das Interview Günther Wagner.

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